Kaltgepresstes Olivenöl – was es wirklich bedeutet

Kaltgepresstes Olivenöl steht für eine besonders schonende Gewinnung bei niedrigen Temperaturen. Entscheidend ist dabei nicht nur, dass keine starke Hitze eingesetzt wird, sondern wie frisch die Oliven verarbeitet werden und welches Verfahren bei der Gewinnung verwendet wird.

Im Alltag wird häufig allgemein von „kaltgepresstem Olivenöl“ gesprochen. Rechtlich wird jedoch genauer unterschieden: Die Bezeichnung „erste Kaltpressung“ ist für traditionell hydraulisch gepresste native Olivenöle unter 27 °C vorgesehen. Bei modernen Verfahren mit Zentrifugation lautet die entsprechende Bezeichnung „Kaltextraktion“.

Die niedrige Verarbeitungstemperatur soll dazu beitragen, die charakteristischen Aromen und natürlichen Bestandteile des Olivenöls möglichst schonend zu bewahren. Sie ist deshalb ein wichtiger Faktor – aber noch kein alleiniger Beweis für hohe Qualität.

Kaltgewinnung von Olivenöl in einer Ölmühle – schonende Verarbeitung der Oliven bei niedriger Temperatur

Ist kaltgepresstes Olivenöl automatisch hochwertig?

Nein. „Kaltgepresst“ allein macht ein Olivenöl noch nicht automatisch hochwertig.

Für die Qualität spielen mehrere Faktoren zusammen: der Zustand der Oliven, der Zeitpunkt der Ernte, die Zeit zwischen Ernte und Verarbeitung, das Herstellungsverfahren sowie die anschließende Lagerung. Auch ein schonend gewonnenes Öl kann an Qualität verlieren, wenn beispielsweise beschädigte Oliven verarbeitet oder das fertige Öl später Licht, Wärme und Sauerstoff ausgesetzt wird.

Deshalb solltest du beim Kauf nicht nur nach einem einzelnen Begriff auf dem Etikett suchen. Herkunft, Transparenz der Herstellung, Frische und Geschmack ergeben gemeinsam ein wesentlich besseres Bild.

Ein hochwertiges Olivenöl kann fruchtige, bittere und scharfe Eindrücke zeigen. Diese sensorischen Eigenschaften hängen unter anderem von Olivensorte, Reifegrad und natürlichen phenolischen Verbindungen ab.

Kaltgewonnenes Olivenöl mit Brot und mediterranen Speisen serviert

Kaltgepresst und extra nativ – ist das dasselbe?

Nein. Die Begriffe beschreiben zwei unterschiedliche Dinge.

„Kaltpressung“ beziehungsweise „Kaltextraktion“ beschreibt, wie das Öl gewonnen wird. „Natives Olivenöl extra“ bezeichnet dagegen eine gesetzlich definierte Qualitätskategorie, für die unter anderem chemische und sensorische Anforderungen erfüllt werden müssen.

Ein Öl ist also nicht allein deshalb „extra nativ“, weil es bei niedriger Temperatur hergestellt wurde. Gleichzeitig sagt die Qualitätsklasse allein noch nicht alles über Herkunft, Frische oder den individuellen Geschmack eines Öls aus.

Genau deshalb lohnt es sich, beim Olivenöl kaufen mehrere Merkmale gleichzeitig zu betrachten und nicht nur auf einen einzelnen Begriff auf der Flasche zu achten.

Woran erkennt man gutes kaltgepresstes Olivenöl?

Achte zuerst auf eine möglichst klare Herkunft und nachvollziehbare Herstellung. Gute Produzenten können erklären, woher ihre Oliven stammen und wie das Öl gewonnen wird.

Auch der Geschmack ist wichtig. Hochwertiges Olivenöl muss nicht neutral sein. Je nach Sorte und Ernte kann es fruchtig, leicht bitter und im Abgang etwas scharf wirken. Gerade Menschen, die überwiegend sehr milde Öle gewohnt sind, nehmen diesen Unterschied beim ersten Probieren oft deutlich wahr.

Ebenso wichtig ist die Lagerung nach der Herstellung. Licht, Sauerstoff und Wärme können die Qualität mit der Zeit beeinträchtigen. Eine dunkle Flasche und eine kühle, lichtgeschützte Lagerung helfen deshalb dabei, das Öl möglichst lange zu schützen.

Die beste Orientierung liefert am Ende nicht ein einzelnes Schlagwort wie „kaltgepresst“, sondern das Zusammenspiel aus Herkunft, Verarbeitung, Frische, Geschmack und Lagerung.

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